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Kernleidenschaft – DAS Thema

Mathias zur Bonsen hat in seinem Buch “Leading with life” ausführlich beschrieben, wie wichtig es ist, seine persönliche Kernleidenschaft zu definieren und zu leben. Das Gleiche gilt für die Organisation.

Wenn man jedoch mit einem Management-Team an dessen Vision arbeitet, dann kommt meistens raus: “Marktführerschaft, Plus 15% Marktanteil, Kosten 30% runter.” Ich drehe dann oft ein – vorher verdecktes – Flipchart um mit einer Strichliste von Antworten anderer Managergruppen. Da stehen nur diese 3 Begriffe drauf und die Teilnehmer können anhand der Striche selbst erkennen, dass sie, alleine in unserem Kundenkreis, die 127sten sind, die diese “Vision” haben. Dann braucht man nur noch zu sagen: “Und was meinen Sie ist die Vision Ihres Konkurrenten X ?” Meistens ist dann auch “Stille im Raum”.

Nun, ich denke, diese “Stille im Raum” ist bereits ein erster Schritt, denn es kann eine heilsame Stille sein. Im Einzelcoaching gebe ich der Stille Raum, in dem ich den Coachee spazieren schicke, mit der Aufgabe, sich alle Gedanken zu seiner Kernleidenschaft zu notieren (auch abwehrende oder negative Gedanken). Durch die Bewegung in der Natur kommen schon die richtigen Inputs, oft auch die Betroffenheit der Erkenntnis, seine Kernleidenschaft im jetzigen beruflichen permanent zu verleugnen. In Gruppen machen wir oft einen Walk-shop, mit der Anweisung, 15 Minuten in Stille zu gehen, und sich dann mit einem Partner auszutauschen.

Kernleidenschaft, das rührt ein Tabu an. Es hat etwas mit Emotionen und Selbstverwirklichung zu tun. Business is Human, nur sind wir so konditioniert worden, dass wir diese persönliche Seite gar nicht mehr ansprechen können, ja sogar verleugnen. Das ist generell in der internationalen Businesswelt so, aber in Deutschland besonders stark ausgeprägt. Hier wird Begeisterung als “Hurra-Optimismus” bezeichnet, das kommt eben aus unserer Historie. Die Deutsch-Schweizer sind aus meiner Erfahrung da auch eher “sachlich zurückhaltend”, die Österreicher lassen sich schon eher ein (-fangen). In Frankreich hingegen, wo ich 30 Jahre gelebt habe,  ist es sogar notwendig, seine persönliche (Kern-)Leidenschaft zu zeigen, sonst kommt gar kein Business zustande.

Wie kann man das Eis brechen, Menschen, vor allem in Gruppen, dazu bekommen, dass sie nicht mehr als Abarbeiter von Aufgaben, sondern sich als lebendigen, vitalen Teil der Organisation sehen und auch erfahren?

Nun, dies ist meine persönliche Kernleidenschaft: Vitalität in’s Business zu bringen, ein Umfeld zu schaffen, damit ManagerInnen wieder zu Menschen mutieren. Es gibt natürlich viele Mittel, Genuine Contact hat hier z.B viel Pionierarbeit geleistet.

Ein einfaches Mittel, dessen Wirkung in Gruppen mich immer wieder verblüfft,  kennen wir aus OST-Veranstaltungen oder auch in Kleingruppen, wenn ein Teilnehmer anfängt, “etwas rauszulassen”.

Nun, wir als Moderatorenteam fangen immer damit an, “etwas rauszulassen”, und das schon bereits zu Beginn der Veranstaltung. Wie es dazu kam, dass wir heute unser (Kern-)Leidenschaft leben können. Und diese Geschichten sind gespickt von Irrtümern, die zu Erfolgen wurden, Versuchen die scheiterten und permanentem Wandel beruflicher und privater Natur. Gerade Erzählungen über das Scheitern und über private Dinge überraschen im Businesskontext und lassen die Dämme brechen.

Die Teilnehmer spüren die Authentizität und ja, die Kernleidenschaft, die es ermöglicht, die Höhen und Tiefen zu durchlaufen ohne aufzugeben. Das Ganze darf natürlich nicht zu lange dauern und sollte auch mit Humor gespickt sein. Es schafft den Raum, die Erlaubnis, persönliche Leiden – Schaften anzusprechen.

Ich freue mich schon auf weitere Erfahrungen, Kommentare und Ideen zu diesem Thema.

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Jochen Peter Breuer

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