Das Gegenteil von Erfolg ist nicht Misserfolg, sondern die Fremdbestimmtheit!

Der Zeitmanagement-Papst stellt sich selbst in Frage: Prof. Lothar Seiwert mit seinem neuen Buch "Ausgetickt"
„Das Gegenteil von Luxus ist nicht Armut, sondern Gewöhnlichkeit!“. Wen dieser Ausspruch von Coco Chanel stört, der sollte auch « Ausgetickt » nicht kaufen. Denn Lothar Seiwerts neues Buch ist provokant, zwingt zum Perspektivenwechsel. Sinngemäß sagt er, dass das Gegenteil von Erfolg nicht Misserfolg ist, sondern die Fremdbestimmtheit.
« Ausgetickt » ist ein Aufschrei gegen die Phrasendrescherei der Berufslamentierer, gegen die Bequemlichkeit der „Ja“-Sager und das Lamentieren der sich in der Opferrolle gefallenden Mitmenschen. „Mach Dein Ding!“ Dieser bekannte Spruch eines Baumarktes ist im Prinzip der rote Faden im Buch. Die umwälzenden Veränderungen sind nicht mehr mit Zeitmanagementtechniken zu bewältigen und auch nicht mit der Lektüre von esoterischen Welterfolgen wie „The Secret“, sagt der nun wohl ehemalige Papst des Zeitmanagements. „Steh auf und geh vorwärts!“ ist Seiwerts leidenschaftliches Plädoyer für das selbstbestimmte Handeln.
Dazu gibt er jede Menge inspirierender plastischer Beispiele. Mir gefällt besonders, dass er am Konzept von Don Becks „Spiral Dynamics“ aufzeigt, wie stark unsere Wahrnehmungen von unserer eigenen Entwicklungsstufe abhängen. Nicht nur, dass Diskussionen mit Menschen, die sich auf anderen Entwicklungsstufen befinden einem Dialog von Gehörlosen ähneln, wir lassen uns auch von Menschen und Organisationen fremdbestimmen, die noch in den Mustern des „sich Durchsetzens“, „Gewinnens“ und von „Gesetz und Ordnung“ denken und handeln. Oder anders gesagt: während wir in der Computertechnologie in der 10. Generation sind, befinden wir uns bei den Methoden des Zusammenwirkens noch in der Steinzeit, insbesondere im Geschäftsleben. Nicht nur hier befinde ich mich mit Lothar Seiwert auf einer Wellenlänge, siehe mein aktuelles, mit Pierre Frot geschriebenes Buch “Das emotionale Unternehmen” (2. Auflage in Vorbereitung).
Lothar Seiwert will mit « Ausgetickt » aufrütteln und all denen Mut machen, die aus der fremdbestimmten Gewöhnlichkeit ausbrechen und sich von diesen überholten Mustern nicht mehr länger gängeln lassen wollen. Es ist sicherlich schade, dass er sich durch den Stil des Buches angreifbar macht und dadurch einige LeserInnen von seinen bemerkens- und unterstützenswerten Thesen ablenken könnte. Seiwert spricht nämlich viel über sich selbst und über seine eigenen (Miss-) Erfolge. LeserInnen, die ein stark wettbewerbsdenkendes Weltbild haben, können dadurch verleitet werden, ihre Aufmerksamkeit mehr auf die Person „Seiwert“ zu richten, denn auf die Thesen des Buches. Auch auf Gleichheit und Gemeinschaft bedachte Menschen mögen sich an Seiwerts Behauptungen stoßen, dass Basisdemokratien keine intelligenten Entscheidungen treffen können und jede Gemeinschaft Alphatiere braucht, um sich entwickeln zu können.
Lothar Seiwert ist aber eben kein „gewöhnlicher“ Mensch, sondern einer, der aneckt, Verantwortung übernimmt und etwas bewegen will. Eben ganz die Thesen seines Buches selbst vertretend, und deshalb glaubwürdig. Dass er sich jetzt als Verfechter des Zeitmanagements selbst widerspricht, ist kein Marketingtrick. Denn auch hier beweist er einfach, dass er sich selbst in Frage stellen und weiterentwickeln kann. Und das ist ein Zug von Größe.
Fazit: « Ausgetickt » ist nicht für jeden geeignet. Einige werden es oberflächlich finden, da zu wenig wissenschaftlich untermauert. Andere werden sich vielleicht an dem zu persönlichen Erzählstil stören. Aber denjenigen, die sich nicht mehr verändern lassen, sondern Teil der Veränderung sein wollen, denen wird « Ausgetickt » viele Aha-Effekte bringen, jede Menge Energie geben und vor allem Mut machen, aus der Opferrolle auszusteigen.
Und das verdient sogar mehr als 5 Sterne.

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